Nuri Bilge Ceylan

Auf trockenen Gräsern

(Kinostart: 16.5.) Lost in Ostanatolien: Ein dorthin versetzter Lehrer hadert mit seinem Dienstort – zwei Frauen sorgen für Bewegung. Rund um seine grübelnde Hauptfigur entfaltet Regisseur Nuri Bilge Ceylan ein so diskretes wie eindrucksvolles Panorama der Folgen eines latenten Bürgerkriegs. ...weiter
15.05.2024

Veit Helmer

Gondola

(Kinostart: 7.3.) Wo die Gondeln Schauwert haben: Veit Helmers bewährte Mischung aus Exotismus und Stummfilm-Ästhetik stößt in dieser Romanze an ihre Grenzen. Mit am Reißbrett entworfenen Figuren und einem Übermaß an Klischees ist sein nettgemeinter Drahtseilakt gründlich misslungen. ...weiter
04.03.2024

Agnieszka Holland

Green Border

(Kinostart: 1.2.) Spielbälle des Systemkonflikts: 2021 strandeten Scharen von Migranten im Niemandsland an der belarussisch-polnischen Grenze. Diese Flüchtlingskrise verfilmt Regisseurin Agnieszka Holland nüchtern in Schwarzweiß, und dadurch umso anrührender – humanitärer Agitprop in Vollendung. ...weiter
31.01.2024

Stephan Komandarev

Eine Frage der Würde (Blaga's Lessons)

(Kinostart: 25.1.) „Breaking Bad“ in Bulgarien: Gauner hauen eine Rentnerin übers Ohr – sie hält sich schadlos, indem sie bei ihnen anheuert. Seinen Holzhammer-Moralismus verpackt Regisseur Stephan Komandarev adäquat: Er lässt eine Schreckschraube durch plakative Szenen in tristen Bildern stapfen. ...weiter
22.01.2024

Ayşe Polat

Im toten Winkel

(Kinostart: 4.1.) Traumata zwingen zum Leben in der Vergangenheit: Ein deutsches Filmteam will in der Südosttürkei eine Doku über Kurden-Aktivisten drehen und gerät zwischen die Fronten. Es bleibt nicht das einzige Opfer – Regisseurin Ayşe Polat inszeniert mitreißend einen fesselnden Polit-Thriller. ...weiter
02.01.2024

Emin Alper

Burning Days

(Kinostart: 28.9.) Auf Sand gebaut: Mit seinem beklemmenden Thriller über Umweltzerstörung in einer anatolischen Kleinstadt inszeniert Regisseur Emin Alper zugleich eine düstere Parabel auf die Türkei – in Erdfarben zeichnet er das Bild eines Landes am Abgrund. ...weiter
25.09.2023

Tomasz Wasilewski

Die Verlorenen

(Kinostart: 7.9.) Pathos und Verzweiflung: In seinem Dreiecks-Familiendrama führt der polnische Regisseur Tomasz Wasilewski seine wortkargen Hauptfiguren an die Schmerzgrenzen der Liebe. Leider verhebt er sich dabei am eigenen Kunstanspruch. ...weiter
04.09.2023

Ferit Karahan

Brother’s Keeper

(Kinostart: 27.7.) Das eiskalte Klassenzimmer: Den Schülern im Internatsdrama von Ferit Karahan steht nicht der Sinn nach Pennälerspäßen. Zu streng und autoritär ist das Erziehungssystem in Anatolien; für seine beklemmende Schilderung schöpft der kurdische Regisseur aus eigenen Erfahrungen. ...weiter
25.07.2023

Ulrich Seidl

Sparta

(Kinostart: 18.5.) Erotische Selbstverwirklichung in der rumänischen Provinz: Dort schart ein Pädophiler im Freizeitheim Knaben um sich. Ohne ihn zu dämonisieren, schildert Regisseur Ulrich Seidl das einfühlsam, aber auch spannungsarm – sein Komplementärfilm zu „Rimini“ plätschert matt dahin. ...weiter
15.05.2023

Michal Blaško

Victim

(Kinostart: 6.4.) Wie eine Hexenjagd entsteht: Ein Migranten-Junge in Tschechien wird schwer verletzt, Schuld sind angeblich Roma – seine Mutter tritt ungewollt eine rassistische Kampagne los. Gewissensbisse und Gruppendynamik zeigt Regisseur Michal Blaško schnörkellos neorealistisch. ...weiter
03.04.2023

Bujar Alimani

Luanas Schwur

(Kinostart: 9.2.) Geschlechterwechsel, um der Zwangsehe zu entgehen: Eine junge Albanerin schwört, fortan als Mann zu leben. Regisseur Bujar Alimani inszeniert diffus, seine Hauptdarstellerin agiert recht hölzern – die Konflikte in der patriarchalischen Gesellschaft sind nur unterschwellig spürbar. ...weiter
07.02.2023

Kirill Serebrennikow

Petrov's Flu – Petrow hat Fieber

(Kinostart: 26.1.) Petrov, von der Grippe geplagt, ist auf dem Weg zu Exfrau und Kind – das wird zur Reise durch eine zerfallende Gesellschaft: Regisseur Kirill Serebrennikow inszeniert einen Fiebertraum in der postsowjetischen Provinz und bringt lange nicht mehr gesehene Magie ins Kino. ...weiter
25.01.2023

Elwira Niewiera + Piotr Rosołowski

Das Hamlet Syndrom

(Kinostart: 19.1.) Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage: Das Regie-Duo Elwira Niewiera + Piotr Rosołowski porträtiert fünf junge Ukrainer, deren Leben schon beim russischen Angriff 2014 auf den Kopf gestellt wurde. Der Film entstand vor dem jüngsten Krieg – und zeigt, welche Traumata er hinterlassen wird. ...weiter
17.01.2023

Elene Naveriani

Wet Sand

(Kinostart: 24.11.) Hetero-Zwang selbst nach dem Suizid: Dass der Tote zu Lebzeiten eine schwule Beziehung hatte, wühlt ein georgisches Schwarzmeerdorf auf. Regisseurin Elene Naveriani blickt kühl distanziert, aber sorgfältig inszeniert auf eisern patriarchalische Verhältnisse. ...weiter
22.11.2022

Oleg Senzow

Rhino

(Kinostart: 3.11.) Wie ein schmächtiger Junge zum verrohten Gangsterboss mutiert: Das schildert der ukrainische Regisseur Oleg Senzow nach vier Jahren in russischer Haft. Detailgetreu inszeniert, mit einem Kleinkriminellen als Hauptdarsteller – als lakonische Analyse des postsowjetischen Gewalt-Kreislaufs. ...weiter
01.11.2022

Cem Kaya

Liebe, D-Mark und Tod – Aşk, Mark ve Ölüm

(Kinostart: 29.9.) Zwölf Goldene Schallplatten, aber nie in der deutschen Hitparade: Die Musik türkischer Migranten spielt in einem Paralleluniversum. Ihre Geschichte breitet die Doku von Regisseur Cem Kaya als launiges Patchwork aus – eine faszinierende Expedition ins Unbekannte. ...weiter
27.09.2022

Blerta Basholli

Hive

(Kinostart: 8.9.) Paprika-Püree als Emanzipations-Vehikel: Damit befreit sich eine junge Witwe im Kosovo aus der Bevormundung der patriarchalischen Dorfgemeinschaft. Ihre Selbstermächtigung begleitet Regisseurin Blerta Basholli mit Bildern, die lange nachhallen. ...weiter
07.09.2022

Stanisław Mucha

Wettermacher

(Kinostart: 18.8.) Lagerkoller als vorherrschende Lebensform: Vier Bewohner einer russischen Polarstation sind auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. Davon berichtet Regisseur Stanisław Mucha nur auf der Tonspur – seine Doku-Kamera schwelgt in monotonen Bildern unwirtlicher Weiten. ...weiter
15.08.2022

Joel Basman

Abenteuer eines Mathematikers

(Kinostart: 30.6.) Wiedersehen mit der Wasserstoffbombe: Zu ihren Vätern zählt Stanisław Ulam, jüdischer Mathematiker aus Polen. Seinen Werdegang schildert Regisseur Thor Klein – als papiernes Kammerspiel ohne Dramaturgie, aber voller Tekkie-Talk und Ethik-Räsonnement für die Mittelstufe. ...weiter
27.06.2022

Juho Kuosmanen

Abteil Nr. 6

(Kinostart: 31.3.) Pfannkuchen mit Wodka im „Wagon-Restoran“: Langstreckenfahrten in russischen Nachtzügen sind legendär. Regisseur Juho Kuosmanen lässt eine finnische Studentin ans Polarmeer fahren – in einer stimmungsvoll melancholischen Zeit-Zugreise. ...weiter
28.03.2022

Kida Khodr Ramadan

Saf

(Kinostart: 24.2.) Das Leben ist eine Spekulanten-Baustelle: Auf ihr schuftet ein Handlanger in Istanbul zum Dumpinglohn. Der reicht hinten und vorn nicht; Gewalt ist auch keine Lösung. Regisseur Ali Vatansever beleuchtet die Armutsfalle des türkischen Prekariats nach 20 Jahren AKP-Herrschaft. ...weiter
22.02.2022

Agnieszka Holland

Charlatan

(Kinostart: 20.1.) Männer, die auf Urinproben starren: Das Leben des tschechischen Kräuterheilers Jan Mikolášek verfilmt Regisseurin Agnieszka Holland als vielschichtiges Psychogramm eines schwulen Nonkonformisten, der in zwei Diktaturen verfolgt wurde. ...weiter
17.01.2022

Srdjan Dragojevic

Der Schein trügt

(Kinostart. 16.12.) Gottes unzulängliches Bodenpersonal: Bigotterie auf dem heutigen Balkan karikiert Regisseur Srdjan Dragojević mit beißendem Humor. Seine Satire schwankt zwischen Klamauk und Groteske – originell inszenierte Episoden machen platte Momente verzeihlich. ...weiter
12.12.2021

Srdan Golubović

Vater – Otac

(Kino-Start: 2.12.) Das Einfache, das so schwer zu machen ist: Der serbische Regisseur Srdan Golubović porträtiert einen Mann, der seinen Kindern zuliebe zu Fuß 300 Kilometer nach Belgrad läuft. Ein ergreifendes Alltagsdrama über einen durch und durch menschlichen Helden. ...weiter
29.11.2021

Salomé Jashi

Die Zähmung der Bäume – Taming the Garden

(Kinostart: 2.12.) Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen: Georgiens heimlicher Herrscher sammelt große Gehölze. Ihren Transport dokumentiert Regisseurin Salomé Jashi in statischen Einstellungen – als eine Art Öko-Elendsporno aus der Borkenkäfer-Perspektive. ...weiter