Augsburg

Aufruhr in Augsburg: Deutsche Maler

Nichts wirkt veralteter als die Kunst-Revolution von gestern: Der Glaspalast zeigt deutsche Neo-Expressionisten und „Neue Wilde“ der 1960er bis 1980er Jahre, die ihren Biss meist verloren haben. Eine Etage höher geht es jedoch aufregend wild zu.

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Halle/ Saale + Stuttgart

Magie des Augenblicks: Nabis-Kunst

Auf dem Nebengleis der Moderne: Die Maler der Nabis-Gruppe hielten die Privatsphäre des Bürgertums um 1900 voller Experimentierfreude fest. Diese selten gezeigte Kunstströmung stellt das Kunstmuseum Moritzburg ausführlich vor – voller Jubel für ihre Sammler.

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Baden-Baden + Düsseldorf

Andreas Achenbach

Herrscher über Land und Meer: Mit atmosphärisch dichten Natur-Szenen wurde Achenbach im 19. Jahrhundert zum Starkünstler. Museum LA8 und Museum Kunstpalast laden zur Wiederentdeckung ein – kaum jemand malte Scheitern so schön schrecklich wie er.

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Miguel Gomes

1001 Nacht – Teil 1: Der Ruhelose

(Kinostart: 28.7.) Portugal als orientalischer Bilderbogen: Regisseur Miguel Gomes überträgt den Aufbau der arabischen Erzählungs-Sammlung auf sein Heimatland in der Dauerkrise – als burlesken Episoden-Reigen, der alle geläufigen Grenzen sprengt.

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Gianfranco Rosi

Seefeuer – Fuocoammare

(Kinostart: 28.7.) Die geteilte Mittelmeer-Insel: Auf Lampedusa gehen Bewohner ihrem Alltag nach, nebenan werden Flüchtlinge versorgt – beide Sphären berühren sich nirgends. Für seine Doku gewann Regisseur Gianfranco Rosi bei der Berlinale den Goldenen Bären.

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Jeremy Irons

Zeit für Legenden – Race

(Kinostart: 28.7.) Wie ein Schwarzer den Nazis ihre Propaganda-Schau vermasselte: Der US-Athlet Jesse Owens gewann bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin vier Mal Gold. Regisseur Stephen Hopkins zeigt, wie Spitzensport zum politischen Kräftemessen wurde.

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Kunst+Film-Video der Woche:

Die ab 1890 tätige Nabis-Künstlergruppe kam in Deutschland nie so recht zur Geltung: Waren ihre intimen Sujets zu unspektakulär? Dabei schufen Maler wie Bonnard, Vallotton und Vuillard sehr experimentierfreudige Werke. Mit „Magie des Augenblicks“ zeigt das Kunstmuseum Moritzburg in Halle/ S. eine erstklassige Auswahl.

Auch neu im Kino ab 28. Juli

  • „Wiener Dog“ von Todd Solondz mit Greta Gerwig („Frances Ha“): Episoden-Groteske um diverse underdogs und ihren american way of life.
  • „Dibbuk – Eine Hochzeit in Polen“: Heirats-Horrorfilm mit dem Totengeist des jüdischen Volksglaubens.
  • „Heimatland“: Katastrophen-Parabel von zehn Jung-Regisseuren – heraufziehende Sturmwolke als Metapher für Isolation und Untergang der Schweiz.
  • „The Legend of Tarzan (3D)“ mit Christoph Waltz („Django Unchained“, „The Zero Theorem – Das Leben passiert jedem“): Neuverfilmung des Comic-Klassikers mit antikolonialistischer story – der Sohn des Dschungels soll den Kongo vor Ausbeutung bewahren.

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Berlin

9. Berlin Biennale

Auferstanden aus Ruinen: Die Berlin Biennale, die oft in Belanglosigkeit versandete, besinnt sich in ihrer neunten Ausgabe auf ein neues Geschäftsmodell – Business first! Damit lässt sich auch clevere Kritik am Konsum- und Warenfetischismus optimal vermarkten.

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Mannheim + Mülheim an der Ruhr

Hannah Höch - Kunst-Revolutionärin

Die erste Dadaistin: Mit der Erfindung der Foto-Collage prägte Hannah Höch die Kunst des 20. Jahrhunderts. Ihr umfangreiches, so vielseitiges wie fantasievolles Spätwerk ab 1945 ist weniger bekannt – Kunsthalle und Kunstmuseum laden zur Neuentdeckung ein.

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Frankfurt am Main

Kader Attia – Sacrifice and Harmony

Materialschlacht bis zur Erschöpfung durch Eigenplagiate: Der Franko-Algerier Kader Attia legt in Groß-Installationen ungeahnte Verbindungen zwischen Europa und Afrika frei. Seine Werkschau im MMK gerät aber zum Overkill der Selbstüberbietung.

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Basel

Sculpture on the Move 1946–2016

Grau in Grau ist alle Architektur: Die allgegenwärtige Nichtfarbe lässt den Erweiterungsbau des Kunstmuseums großartig und beklemmend zugleich wirken. In diesem aseptischen Umfeld kommen die Skulpturen der Eröffnungs-Ausstellung nicht in Schwung.

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Berlin

Die Maya – Sprache der Schönheit

Weltmeister der Selbstverstümmelung: Maya-Herrscher schreckten selbst vor Genitaldurchbohrung nicht zurück. Ihre Untertanen schufen beeindruckende Beispiele für fremdartige Schönheitsideale – der Martin-Gropius-Bau zeigt eine erstklassige Auswahl.

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Mika Kaurismäki

The Girl King

(Kinostart: 21.7.) Ein Riot Girl auf Schwedens Thron: Aus dem turbulenten Leben der ledigen und bisexuellen Barock-Königin Kristina macht Regisseur Mika Kaurismäki einen süffigen Mantel- und Degen-Film voller saftiger Details – Yellow Press fürs Kino.

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Andrina Mračnikar

Ma Folie

(Kinostart: 21.7.) Der Feind aus meinem Bett: Ein verflossener Geliebter wandelt sich zum hasserfüllten Stalker – und die Amour-Fou-Geschichte zum Psychothriller, den die österreichische Regisseurin Andrina Mračnikar raffiniert in der Schwebe hält.

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Nick Read

Bolschoi Babylon

(Kinostart: 21.7.) Vom Olymp zur Müllhalde: Ein Säure-Attentat auf den Ballettdirektor machte 2013 klar, dass am berühmtesten Theater Russlands vieles im Argen liegt. Die Doku von Regisseur Nick Read verliert sich in babylonischem Stimmengewirr.

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Sandra Hüller

Toni Erdmann

(Kinostart: 14.7.) Ein Hofnarr darf alles: Als schräge Type bricht ein Vater ins Leben seiner Business-Tochter ein – und so das verständnislose Schweigen zwischen ihnen auf. Die skurrile Familien-Dramödie von Regisseurin Maren Ade bekam in Cannes viel Beifall.

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Roland Emmerich

Independence Day: Wiederkehr

(Kinostart: 14.7.) Wiederholung der Tragödie als Farce: Die Fortsetzung der Weltraumoper von 1996 gerät zu einer zähen Materialschlacht, für die Regisseur Roland Emmerich berühmt-berüchtigt ist – als spannungslose Dauerklimax aus CGI-Detonationen.

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Top-Ausstellungen im Juli

  • Das Bauhaus – Alles ist Design“: große Retrospektive bis 14.8. in der Bundeskunsthalle, Bonn
  • „Die Ernestiner: Eine Dynastie prägt Europa“: kulturhistorische Doppel-Schau bis 28.8. in Gotha + Weimar
  • „Manet – Sehen. Der Blick der Moderne“: Erste Schau nach Wiedereröffnung bis 4.9. in der Hamburger Kunsthalle
  • „Magie des Augenblicks: Cézanne, van Gogh, Bonnard, Manguin“: bis 11.9. in der Moritzburg, Halle
  • „El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez“: Goldenes Zeitalter der spanischen Kunst bis 30.10. in der Gemäldegalerie, Berlin

Arthouse-Kino Top 10 Charts

  1. „Toni Erdmann“ von Maren Ade mit Sandra Hüller
  2. „Frühstück mit Monsieur Henri“ mit Claude Brasseur
  3. „Unterwegs mit Jacqueline“ von Mohamed Hamidi
  4. „Vor der Morgenröte“ von Maria Schrader
  5. „Birnenkuchen mit Lavendel“ von Eric Besnard
  6. „Lou Andreas-Salomé“ von Cordula Kablitz-Post
  7. „Nur wir drei gemeinsam“ von Kheiron
  8. „Meine Brüder und Schwestern im Norden“
  9. „High-Rise“ von Ben Wheatley mit Jeremy Irons
  10. InnSaei – Die Kraft der Intuition“ (Quelle: AG Kino)
Berlin

Boris Lurie - Keine Kompromisse!

Der große Verweigerer: Der Holocaust-Überlebende Boris Lurie klagte in seinen Arbeiten den Zynismus der modernen Welt an. Seine sperrige bis pornographische „NO!art“-Kunst stellt das Jüdische Museum erstmals hierzulande in einer umfassenden Werkschau vor.

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Bad Homburg

Darren Almond – Schatten und Licht

Die Nachtseite der Welt: Darren Almond fotografiert Landschaften im Vollmondschein. Seine Langzeit-Aufnahmen im Museum Sinclair-Haus lassen die Natur silbrig verwandelt wirken – bei Tageslicht erhalten sie zuweilen einen leicht voyeuristischen Anstrich.

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Stuttgart

Giorgio de Chirico

Der große Melancholiker: Mit seiner „metaphysischen Malerei“ hat der Einzelgänger De Chirico den Surrealismus vorbereitet und die Moderne auf einzigartige Weise geprägt. Das führt die Staatsgalerie anschaulich vor – allerdings beschränkt auf sein Frühwerk.

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Karlsruhe

Elger Esser – zeitigen

Piktorialismus für die Gegenwart: Fotografien veredelt Elger Esser aufwändig zu Kunstwerken weiter – wie vor 100 Jahren. Seine faszinierend detailreichen Landschafts-Aufnahmen präsentiert nun die Staatliche Kunsthalle in einer großen Werkschau.

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Frankfurt am Main

Manierismus in Florenz

Schluss mit süßlicher Harmonie: Die Manieristen reizten extreme Figurenposen und grelle Kontraste bis zum Anschlag aus. Wichtige Vertreter dieser Post-Renaissance stellt das Städel-Museum vor – allerdings beschränkt auf Künstler der Toskana-Metropole.

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Alexander Fehling

Atomic Falafel

(Kinostart: 14.7.) Den Weltfrieden mit Kichererbsen-Bällchen retten: Mit seiner bitterscharfen Kriegstreiber-Komödie zieht Regisseur Dror Shaul alle durch den Kakao – Israels Regierung und Armee wie iranische Gegenspieler und deutsche Pazifisten.

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Ewan McGregor

Verräter wie wir

(Kinostart: 7.7.) Britischer Zaungast bei der russischen Mafia: Wie diese Parallelgesellschaft brutal für Kadavergehorsam sorgt, seziert der Geheimdienst-Thriller von John Le Carré – ihn verfilmt Regisseurin Susanna White mit dem Aufwand großer Kino-Epen.

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Carlos Saura

Argentina

(Kinostart: 7.7.) Kleine Gesten eröffnen eigene Welten: Spaniens Regie-Legende Carlos Saura widmet Argentiniens regionalen Tanz- und Musik-Stilen eine hochkarätige Hommage – mit spartanischer Inszenierung, sanftem Pathos und sinnlicher Wirkung.

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Assad Fouladkar

Liebe Halal

(Kinostart: 7.7.) „Verbotene Liebe“ im Libanon: Regisseur Assad Fouladkar führt drei Grenzfälle des islamischen Eherechts vor – als Episoden wie aus TV-Vorabendserien samt schlechten Schauspielern in Standard-Situationen mit -Dialogen und -Witzen.

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Hou Hsiao-Hsien

The Assassin

(Kinostart: 30.6.) Martial Arts mit menschlichem Antlitz: Taiwans bekanntester Regisseur Hou Hsiao-Hsien dreht einen Kampfkunst-Historienfilm ohne Schwertgeklirr oder Spezialeffekte – aber mit opulenten Bildern und anspruchsvoller Auflösung.

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